Penetranz der negativen Reste

Penetranz der negativen Reste

Der vierte dynamische Erhaltungssatz in der Kultur ist der Satz der Erhaltung des Negativitätsbedarfs. Wo Kulturfortschritte wirklich erfolgreich sind und Übel wirklich ausschalten, wecken sie selten Begeisterung: sie werden vielmehr selbstverständlich und die Aufmerksamkeit konzentriert sich dann auf jene Übel, die übrigbleiben.

Dabei wirkt das Gesetz der zunehmenden Penetranz der Reste: Je mehr Negatives aus der Wirklichkeit verschwindet, desto ärgerlicher wird (gerade weil es sich vermindert) das Negative, das übrigbleibt. Knapper werdende Güter werden immer kostbarer: sie werden immer plagender und Restübel werden schier unerträglich (darum ängstigen heute weniger die Risiken, vielmehr die Restrisiken). Wer – fortschrittsbedingt – unter immer weniger zu leiden hat, leidet unter diesem Wenigen immer mehr; er ähnelt der „Prinzessin auf der Erbse“, die, weil sie unter nichts anderem mehr zu leiden hatte, nun unter der Erbse litt.


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